Schultergelenksarthrose: Schmerzfreier Golfabschlag
Schultergelenksarthrose: Schmerzfreier Golfabschlag
Jay Peterson, zertifizierter Physician Assistant, präsentiert einen Überblick über die Schultergelenksarthrose sowie über Techniken der anatomischen und der inversen Schulterprothese, die Patienten dabei helfen, wieder zu den Aktivitäten zurückzukehren, die sie gerne ausüben.
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Schultergelenksarthrose: Schmerzfreier Golfabschlag
Wenn Schulterschmerzen Ihr Golfspiel beeinträchtigen, besteht die Möglichkeit, dass Sie an Schultergelenksarthrose leiden. Das Glenohumeralgelenk, also das Schultergelenk, besteht aus einer Kugel und einer Pfanne. Mit dieser Kugel-und-Pfanne-Struktur haben Sie eine größere Kugel und eine kleinere Pfanne – ähnlich wie ein Golfball auf einem Tee. Manchmal kann dieses Gelenk instabil sein, oder es kann – etwa durch Verletzungen – zu Schäden am Knorpel kommen, der sowohl die Kugel als auch die Pfanne des Schultergelenks überzieht. Dies kann zu einer Glenohumeral‑ oder Schultergelenksarthrose führen.
In diesem Zustand werden die Gelenkflächen sehr rau und können sich sogar leicht verformen. Manchmal wird dieser Zustand damit beschrieben, dass es sich anfühlt, als hätte man Schleifpapier in der Schulter. Oder wenn die Schultergelenksarthrose sehr ausgeprägt ist, sogar so, als hätte man einen Block statt einer Kugel in der Pfanne. Dies kann erhebliche Schmerzen verursachen. Außerdem kann die Schulter dadurch sehr, sehr steif werden. Wenn Sie starke Schulterschmerzen und deutliche Steifigkeit verspüren, zusammen mit Knirschen oder Reiben im Schultergelenk, besteht die Möglichkeit, dass eine Schultergelenksarthrose vorliegt.
In solchen Fällen suchen viele Betroffene einen Arzt auf, der in der Regel Röntgenaufnahmen anfertigen lässt. Hier sehen Sie beispielhafte Röntgenbilder einer Schulter mit Arthrose. Hier sehen wir, dass die Kugel und die Pfanne tatsächlich sehr dicht beieinander liegen. Sie haben über längere Zeit aneinander gerieben, sodass kein Abstand mehr zwischen Kugel und Pfanne besteht. Außerdem erkennen wir hier einen Knochensporn. Dieser entsteht, wenn der Knochen beginnt, seine Form zu verändern, weil kein Knorpel mehr vorhanden ist, der die Verbindung zwischen Kugel und Pfanne im Schultergelenk abfedern würde.
Wenn bei der Untersuchung und den Röntgenaufnahmen festgestellt wird, dass Ihre Beschwerden durch eine Schultergelenksarthrose verursacht werden, kann Ihr Arzt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten empfehlen. Dazu gehören Injektionen in das Schultergelenk, möglicherweise Physiotherapie und auf jeden Fall Anpassungen Ihrer Alltagsaktivitäten. Vermeiden Sie Tätigkeiten, die starke Schmerzen verursachen.
Wenn Sie sich Sorgen machen und Ihr Chirurg Ihnen zu einem vollständigen Schultergelenkersatz rät – also dazu, die arthrosebedingt geschädigten Gelenkflächen von Kugel und Pfanne zu ersetzen – gibt es dafür eine Vielzahl von Optionen. Das kann für Sie als Patient durchaus überfordernd sein. Der Chirurg greift dabei nicht einfach in seine Golftasche und wählt zufällig eine beliebige Kugel oder Schulterprothese aus. Die Auswahl wird sehr spezifisch auf den jeweiligen Patienten abgestimmt. Und wir werden gleich darauf eingehen, aus welchen Gründen man sich für eine anatomische oder eine inverse Schulterprothese entscheidet.
Für die anatomische Schultertotalendoprothese, also den anatomischen vollständigen Schultergelenkersatz, wählen die Chirurgen die glänzende Prothese. Dies hier ist eine anatomische Schultertotalendoprothese, und dies eine inverse Schultertotalendoprothese. Wir betrachten beide Varianten sowie deren Unterschiede. Bei einer anatomischen Schultertotalendoprothese liegt ein fortgeschrittener Verschleiß der Kugel sowie der Pfanne des Gelenks vor. Daher werden beide durch Metall- und Kunststoffkomponenten ersetzt. Dabei wird auf der Oberarmseite ein Metallkopf und auf der Glenoidseite eine neue Pfanne aus Kunststoff oder einer Kombination aus Metall und Kunststoff eingesetzt. Damit wird wieder das normale Prinzip eines Golfballs auf einem Tee hergestellt.
Damit dieser „Golfball“, also der Oberarmkopf, stabil auf dem „Tee“ bleibt und die Schulter in der Pfanne zentriert ist, benötigen wir eine gut funktionierende Muskulatur rund um das Gelenk: den Subscapularis, den Supraspinatus, den Infraspinatus und den Teres minor als Teile der Rotatorenmanschette. Sie arbeiten zusammen und ermöglichen die Bewegungen des Arms im Schultergelenk. Für eine anatomische Schultertotalendoprothese ist es jedoch erforderlich, dass all diese Muskeln intakt sind.
In den USA werden jedes Jahr über 200 000 Schulterprothesen implantiert. Diese Zahl umfasst sowohl anatomische als auch inverse Schulterendoprothesen. Neben den Röntgenaufnahmen ordnen Chirurgen häufig eine CT‑Untersuchung an, um die Knochenstrukturen noch genauer beurteilen zu können. Durch die alternde Bevölkerung nimmt die Anzahl an Schultergelenkersatzoperationen jedes Jahr zu.
Traditionell wurden dabei lange Schaftimplantate verwendet, die tief in den Oberarmknochen eingebracht wurden. Heute verwenden wir kürzere oder sogar schaftfreie Implantate, wie wir sie hier sehen. Wir haben dabei eine Kombination mit einer sogenannten Cage‑Schraube, die eine sehr stabile Verankerung im Knochen ermöglicht. Ihr Einsatz lässt sich mit dem Aufhängen eines schweren Bilds an einer Wand vergleichen. Man erreicht eine deutlich bessere Fixierung, wenn man eine Schraube verwendet, statt nur einen Nagel. Mit der Zeit wächst der Knochen tatsächlich durch die kleinen Öffnungen in dieser Schraube hindurch, sodass das Implantat langfristig eine sehr stabile Verankerung erhält.
Das war nun die anatomische Schultertotalendoprothese. Jetzt sprechen wir über die inverse Prothese. Bei der inversen Schultertotalendoprothese drehen wir praktisch den „Golfball“ und das „Tee“ um. Wir bringen sie auf der jeweils gegenüberliegenden Seite an. So können wir sicherstellen, dass das Gelenk stabil bleibt und der Patient so viel Beweglichkeit wie möglich zurückerhält. Da es bei der anatomischen Schulterprothese zu Einschränkungen oder Problemen mit den Muskeln der Rotatorenmanschette kommen kann, wird bei der inversen Schulterprothese alles so gestaltet, dass diese große Muskelgruppe – der Deltamuskel – die Hauptarbeit übernimmt. Er hilft dabei, den Arm anzuheben und zu drehen, ähnlich wie es bei der Rotatorenmanschette und der anatomischen Schulterprothese der Fall wäre.
Diese Implantate sehen natürlich ganz anders aus, weil wir die Strukturen vertauschen. Wie sieht das also konkret aus? Wir haben hier dieselbe Schulter mit abgenutztem Knorpel und einer Schultergelenksarthrose. Nun platzieren wir die Glenosphäre, also diese runde Kugel, auf der Glenoidseite, also dort, wo zuvor die Pfanne war. Auf der Oberarmseite setzen wir dieses Implantat ein, das die neue Pfanne bildet. Das bedeutet: Wir entfernen den Oberarmkopf, setzen hier das Implantat als neue Pfanne ein, und auf der Glenoid‑ bzw. früheren Pfannenseite bringen wir die runde Kugel an. Die Funktion dieser Prothese entspricht dieser Animation. Der Deltamuskel übernimmt das Anheben und Senken des Arms und ermöglicht eine gute Beweglichkeit des Schultergelenks.
Um diese Implantate exakt in der richtigen Position zu platzieren, nutzen Chirurgen häufig die CT‑Aufnahmen sowie spezielle Planungssoftware. Diese zeigt ihnen genau, wo Schrauben und Pins gesetzt werden müssen und wo die Knochenpräparation erfolgen soll. Dadurch können die Implantate sowohl bei der anatomischen als auch bei der inversen Schulterprothese, wie hier gezeigt, präzise ausgerichtet werden.
Beide Operationsverfahren erfordern einen Hautschnitt. Um das Infektionsrisiko zu minimieren, verwenden viele Chirurgen spezielle Verbandsmaterialien. Dieser Verband enthält Kupfer und Zink, die einen Mikrostrom erzeugen – gewissermaßen wie eine kleine Batterie an der Schulter. Dieser Mikrostrom kann helfen, Bakterien abzutöten und so das Risiko einer Infektion zu verringern.
Das klingt natürlich gut, also denken Sie jetzt vielleicht, dass Sie am Operationstag direkt nach Hause gehen können und fragen sich: „Könnte ich gleich wieder Golf spielen?“ Bedenken Sie, dass die Genesung Zeit braucht. Es wird Phasen mit Schmerzen geben, in denen Sie die Schulter kühlen müssen. Mit der Zeit werden Sie jedoch wieder mehr Aktivitäten ausführen können - und Ihr Lächeln kehrt zurück.
Wichtig ist, dass Sie bei Schultergelenksarthrose gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam die gleichen Ziele und Erwartungen verfolgen. Behalten Sie realistische Ziele und Vorstellungen vom Heilungsverlauf im Blick. Die Behandlung von Patienten mit Schultergelenksarthrose ist keine Zauberei. Jede einzelne Operation ist einzigartig - sowohl bei der anatomischen als auch bei der inversen Schulterprothese. Wenn Ihnen die Schultergelenksarthrose einen „Bunkerschlag“ verpasst hat, dann können Sie hoffentlich durch eine Schulterprothese wieder kraftvoll aus diesem „Bunker“ herausschwingen. Vielen Dank.